Vor - und Nachbericht

FC St. Pauli - 1899 Hoffenheim

 

Vorbericht

Nach zuletzt 6 Punkten und 8-1 Toren empfangen unsere Boys in brown morgen die TSG 1899 aus Hoffenheim. Der Aufsteiger ist auf dem besten Wege den Durchmarsch zu schaffen, auch wenn es den Anschein hat, als wenn es ihnen keiner gönnt…

…was in erster Linie mit den speziellen strukturellen Gesetzmäßigkeiten des hierzulande weit verbreiteten Fußballverständnisses zu tun hat. Extrem vermögende Gönner die einen nicht gerade bekannten Verein mit hohen Investitionen an die Spitze führen wollen werden arg kritisch beäugt und so mussten Fans und Offizielle des Clubs, im Besonderen SAP-Gründer und Milliardär Dietmar Hopp, in dieser Saison schon einiges über sich ergehen lassen. Von gekauftem Fußball war die Rede, vom Abgesang des sportlichen Gedankens, von einem Dorfverein ohne Tradition, natürlich auch vom FC Bayern der 2.Liga (nur ohne Fans), kurz: von der endgültigen Kapitulation unseres Sports vor der Macht des Geldes.

Nicht nur die Medien, sondern gerade die Fans der Vereine machten dies fast bei jedem Hoffenheimer Gastspiel zum Thema und so manches Spiel der TSG glich eher einem Spießrutenlauf. Beeindrucken ließ sich die Mannschaft davon allerdings nur zu Beginn der Saison. Nach schwachem Start, analog zur letzten Regionalliga-Aufstiegssaion, stand die Mannschaft nach 7 Spieltagen mit nur 8 Punkten auf Platz 13. Doch dann eskalierte der Streit über die Zulässigkeit des „Modells Hoffenheim“ kurz vor dem achten Spieltag, als der Mainzer Manager Christian Heidel vor dem Gastspiel seiner Mannschaft bei der TSG offene Kritik am Gegner übte und sich unter anderem wie folgt zitieren ließ: „Schade, dass so eine Mannschaft einen der 36 Plätze im Profi-Fußball wegnimmt.“

Hopp fühlte sich und die Seinen zu Unrecht verfolgt, sprach von Gewalt schürender Diskriminierung und platzierte einen unglücklichen Rassismusvergleich. Zudem schaltete er den DFB ein. Heidel konterte und wehrte sich. Jetzt war die Debatte voll entbrannt. Das Heimspiel gegen Kaiserslautern am 10.Spieltag nutzen die Gästefans der Roten Teufel ebenfalls zu Schmähungen Hoffenheims. Hopp verteidigte verständlicherweise abermals seinen Club, die FCK-Fanszene dagegen ihre Haltung mit einem offenen Brief an ihn.

Seltsamerweise gewann Hoffenheim sowohl gegen Mainz als auch gegen Kaiserslautern mit 1:0 und irgendwie muss sich der ganze Verein gerade in dieser explosiven Phase ein dickes Fell angewöhnt haben. Denn so langsam gelang der Marsch ins sichere Mittelfeld und als abgerechnet wurde nach der Hinrunde war man mit 22 Punkten und einem Torverhältnis von -3 genau ein Tor besser als unsere Kiezkicker und stand auf einem beruhigenden achten Platz.

Doch es sollte sportlich noch besser kommen. In den 11 bisherigen Spielen der Rückrunde holte man nämlich 9 Siege (bei einem Unentschieden und einer Niederlage) und ist somit mit 28 Punkten eindeutig die bisher beste Elf, gar mit 9 Punkten Vorsprung auf Borussia Mönchengladbach. In der Tabelle bedeutete das den Sprung auf einen Aufstiegsplatz und nun sieht es tatsächlich danach aus, als könne der Durchmarsch in die Bundesliga gelingen, allen Traditionalisten und Unkenrufen zum Trotz.

Wie immer man dabei zum Modell Hoffenheim steht, so ist es ein bisschen schade, dass bei all der Diskussion in der letzten Zeit untergegangen ist, welch’ gepflegter und schöner Fußball dort zuletzt gespielt wurde…

…und `schöner Fußball`, das ist ja bekanntermaßen die beste Überleitung um auf unseren FC St. Pauli zu sprechen zu kommen. Erst erlebte Freiburg ein wahres Desaster am Millerntor, dann bogen wir letzten Freitag in Wehen auswärts einen 0-1-Rückstand in der letzten halben Stunde noch in einen furiosen 3-1-Sieg um. Momentan läufts!
Irgendwie scheint die Mannschaft einfach mal „ihr Paderborn“ gebraucht zu haben, so bitter es für alle Beteiligten wahr. Seitdem ist die Sturmflaute vergessen, hinten stehen wir prima und spielerisch (kämpferisch sowieso) präsentiert sich die Elf in ausgezeichneter Verfassung. Doch Vorsicht, so sicher unsere Lage auch scheint, ein paar Punkte (schätzungsweise 4-5) brauchen wir noch, um auf der ganz sicheren Seite zu sein. Bietet die Mannschaft allerdings dieselbe Leidenschaft, spielerische Finesse und Kampfkraft an wie in den letzten beiden Partien, so wird dies ganz sicher gelingen.

Dabei kann unser Trainerduo Trulsen/Stanislawski momentan fast auf alle Mann an Bord zurückgreifen, bitter ist allerdings, dass Thomas Meggle jetzt doch langfristig, wahrscheinlich 6 Monate, wegen seinen Knieproblemen ausfallen wird. Von hier aus Alles Gute, Meggi.

Bleibt uns nur noch zu sagen: wie immer ihr zu Hoffenheim steht, die morgigen Gästefans können nix dafür... Also, bleiben wir tolerant und holen uns die fetten 3 Punkte. Nicht primär gegen die, sondern für uns!

Forza St.Pauli,

Eure Basisstpauli


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Nachbericht

Mit 3-1 schickte unser FC St. Pauli am Mittwoch Aufstiegsdurchmarschkandidaten Hoffenheim nach Hause. Durch den dritten Sieg in Folge ist der der Klassenerhalt damit so gut wie gesichert…

…und das auch noch durch ein packendes Match, welches in der Best-Off-Saisonbilanz vieler Fans bestimmt ganz weit vorne zu finden sein wird. Zunächst begannen unsere Gäste allerdings hochgradig überlegen und ließen nichts von dem erahnen, was später noch folgen sollte. In der ersten Viertelstunde spielte praktisch nur die TSG, hatte gute Chancen durch Dias (2. Volleyschuss knapp am Ziel vorbei), Obasi (7. Geschoss von der Strafraumkante, knapp drüber) und einen Copado-Freistoss (11.), den Bene per Glanztat aus dem Winkel holte. St. Pauli hatte nur eine Trojan-Ecke zu bieten, deren Verlängerung Schnitzler nicht erreichte (6.). Doch dann schossen unsere Jungs das erste Mal auf die Hütte und es rummste sofort. Takyi setzte sich auf der rechten Seite fein durch und spielte einen feinen Pass auf Ludwig, der den Ball mit einem wahren Strahl von Schuss unhaltbar in die Maschen wuchtete: 1-0! (14.)

An den Kräfteverhältnissen auf dem Rasen änderte dies jedoch erstmal nichts. Auffällig vor allem die technische Überlegenheit und das variable Offensivspiel der TSG. Diese beiden Elemente führten konsequent zu Chancen für die Gäste. Gleich nach der Führung rettete Bene erneut mit einer Glanztat (15.) und Copado brachte das Kunststück fertig eine Reingabe aus 2 Metern (allerdings bereits im Fallen) über das Tor abtropfen zu lassen (20.). Kurz darauf sprang Jaissle im Gästesechzehner der Ball an die Hand, aber Schiri Gräfe (siehe Benotung) pfiff nicht und im Gegenzug war es dann passiert. Erst musste der nach einem Freistosspfiff für die Gäste reklamierende Stani auf die Gegengerade und kurz darauf zog Jaissle von der Strafraumkante halblinks ab und Gunesch fälschte den Ball unglücklich über den bereits am Boden liegenden und machtlosen Pliquett zum 1-1 ab in die Maschen (25.). Zwei Minuten später bekamen wir ein Tor wegen einer vermeintlichen TW - Behinderung aberkannt und als nach einer halben Stunde das erste Zwischenfazit gezogen wurde konnten wir durchaus froh sein nicht in Rückstand zu liegen. Die letzte Viertelstunde der ersten Halbzeit konnten wir jedoch ausgeglichen gestalten und hatten sogar eine Chance durch Eger nach einer Ecke, die er aber nicht verwertete (41.). Copado produzierte noch eine groteske Schwalbe (43.) ohne gelb zu sehen und dann war Halbzeit. Durchatmen!

Nach dem Wechsel erst ein paar gute Ansätze auf beiden Seiten, dann ein Boll-Knaller knapp am Gehäuse vorbei (51.) und schließlich wieder unsere Führung. Ludwig gab den Ball mal wieder mit einem tollen Freistoss an den Fünfer und Eger stocherte ihn rein –
2-1! (54.)

Wieder aber schlugen die Gäste sofort zurück und hätten gleich im Anschluss durch Compper (55., Schuss am langen Pfosten vorbei) und Obasi (56. ganz frei vor Bene, der mit Fußabwehr klärte) ausgleichen können. Die TSG schnürte uns auch in den 10.Minuten danach voll ein, kam aber nicht zu weiteren Chancen. Das 3-1 hätte aber fallen können als Schultz nach abgewehrter Ecke vom Sechzehner mit Risiko abzog (65.). St. Pauli hatte sich nach der schwachen ersten halben Stunde ins Spiel gefressen und tat dies nun von Minute zu Minute mehr. Hoffenheim blieb technisch besser, aber wir waren durch Kampf und unbändige Leidenschaft bereits auf Augenhöhe mit Ihnen….und bekamen wieder ein Tor aberkannt, diesmal nach einem Distanzschuss von Ludwig nach einer Ecke, bei der im Fünfer eine Abseitsposition vorgelegen haben soll (71.).

Kurz danach setzte Ralf Rangnick alles auf eine Karte, brachte mit Ibisevic und Paljic zwei weitere Stürmer (72.). Kurz darauf auch zwei Wechsel für uns: Sako für Schnitzler (78.) und Braun (80.) für Trojan.
Damit waren die letzten 10 Minuten (in denen bei uns übrigens noch Bruns für Takyi kam, 85.) eingeläutet und die sollten es noch einmal in sich haben. Erst zog Ba von weit links aus 18 Metern voll ab und zwang Bene zu einer erneuten Glanztat (82.). Im Gegenzug spurtete Sako von der Mittellinie mit dem Ball aufs Gästetor zu und vergab, dann tauchte auf der anderen Seite Ibisevic frei vor Bene am Fünfer auf, aber irgendwie landete der Ball wieder in seinen Armen (85.). Hoffenheim entblößte die Abwehr völlig und warf alles nach vorne, aber wir hatten noch einen Dreierschlag zu bieten: erst vergab Braun nach schönem Zusammenspiel mit Sako volley von der Strafraumkante (88.), dann stand Bruns alleine vor der Kiste (89.), brachte den Ball aber nicht an Özcan vorbei…und dann fand diese Wahnsinnspartie ein würdiges Ende: Ein traumhafter Alleingang unseres für die nächsten Olympischen Spiele bereits als 100-Meter-Läufer gemeldeten linken Außenverteidigers Ralf Gunesch schloss dieser ab wie die abgezocktesten Stürmer der Republik und schob den Ball flach ins lange Eck zum umtobten 3-1! Die zwei Minuten Nachspielzeit gingen im Jubel unter und als der Schlusspfiff ertönte war einer der geilsten Siege dieser Saison in Sack und Tüten.


Fazit:

Das war unser aller St. Pauli. Trotz so vieler Widerstände so ein Spiel zu gewinnen zeugt von ganz starkem Charakter und daher geht der Sieg in Ordnung. Hoffenheim verlor sicher unglücklich, versäumte es aber in der ersten halben Stunde den Sack zuzumachen und scheiterte an einer völlig unzureichenden Chancenverwertung mit dem Namen Benedikt Pliquett!

Einzelkritik:

Pliquett: Topleistung. Am Gegentor machtlos, entschärfte er viele Großchancen der Gäste mit starken Paraden. Glatte Note 1

Rothenbach: Hinten zu Beginn wie die gesamte Abwehr mit Problemen. Steigerte sich später, diesmal offensiv uneffektiv

Morena: Mit vielen Problemen gegen die schnellen Obasi und Ba. Wurde ein paar Mal überlaufen und ausgetrickst. Insgesamt keine sichere und auch keine gute Partie.

Eger: Zwar auch in der Defensive nicht immer Sieger, aber etwas stärker als Morena. Zudem offensiv gefährlich und Schütze des wichtigen 2-1.

Gunesch: Unglücklicher Abfälscher zum 1-1. Ließ sich aber nicht runterziehen, kämpfte verbissen um jeden Grashalm und machte kurz vor Schluss das Traumtor zum 3-1

Boll: Unauffällig, aber mit wertvollen Staubsaugerdiensten und einer Topchance in der Offensive

Schultz: siehe Boll.

Takyi: Technisch feine Vorarbeit zum 1-0. Ansonsten eher durchschnittlich, manchmal zu umständlich

Ludwig: Mister Effektivität schlug wieder zu. Eine Bude gemacht, eine vorbereitet – prima

Trojan: Nicht so auffällig wie zuletzt. Aber auch er mit unbändigem Kampf

Schnitzler: Wehrte sich, kämpfte, ging weite Wege, strahlte aber kaum Torgefahr aus

Sako (ab 78.): Sehr guter Joker. Sorgte gleich für Schwung, erarbeitete sich eine dicke Torchance, bereitete eine vor. Empfahl sich

Braun (ab 80.): Haute sich ebenfalls rein, hatte ebenfalls noch die Chance zu treffen

Bruns (ab 85.): Tat 5 Minuten gut mit und vergab eine Hundertprozentige


Schiedsrichterwertung:

Manuel Gräfe (Berlin): Lag beim zweiten aberkannten St. Pauli-Tor wohl richtig, beim ersten aus unserer Sicht eher nicht. Die Handelfmetersituation war von unserer Position aus schwer zu sehen.

Trat aber jenseits dieser heiklen Entscheidungen sehr überheblich auf und pfiff fast alle sonstigen strittigen Situationen für die Gäste. Förderte damit enorm deren Fallsucht. Schlechte Abstimmung mit dem Gespann, welches er mehrmals fälschlich überstimmte. Handelte beim Platzverweis für Stani sehr dünnhäutig. Insgesamt eine schwache Schiedsrichterleistung.

Spieler des Spiels bei St.Pauli:

Benedikt Pliquett



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